Zeitplan Dissertation Geisteswissenschaften

Zur Methodologie gehört übrigens auch die Definition und Operationalisierung relevanter Begriffe, also deren inhaltliche Abgrenzung im Bezug auf die geplante Verwendung in der Dissertation. Tipp: Während Sie in der Dissertation inhaltlich Neues leisten, trifft das in vielen Fällen auf die Theorie/Methode nicht zu. Es lohnt sich also zu schauen, wie andere Forscher in den letzten Jahren ähnliche Fragestellungen angegangen sind und es ist durchaus legitim, sich im Forschungsexposé auf die Vorgänger zu beziehen. Damit sparen Sie viel Zeit und beweisen Ihr Verständnis wissenschaftlicher Prozesse.

Gliederung und Zeitplan: Gliederungen und Zeitpläne sind immer hypothetisch. Niemand weiß, was die Laborergebnisse aussagen, welche Überraschung im Archiv auf Sie wartet oder wie ergiebig die Interviews sind, auf denen Ihre Dissertation basiert. Dennoch ist eine gut durchdachte Gliederung mit einem schlüssigen Zeitplan ungemein wichtig für die Bewertung Ihres Dissertationsprojekts. Viele deutsche Graduiertenschulen haben sich den Doktortitel nach drei Jahren zum Ziel gemacht. Sollte bei Ihrem Projekt schon im Exposé deutlich werden, dass ein solcher Zeitplan utopisch ist, wird man Ihre Bewerbung mit großer Wahrscheinlichkeit ablehnen. Entwickeln Sie also ein Konzept mit Arbeitsschritten zur Beantwortung Ihrer Fragestellung bzw. zur Überprüfung Ihrer Hypothesen. Auch hier ist es sinnvoll, eher konservativ vorzugehen und sich an dem zu orientieren, was andere Promovierende in der Vergangenheit geleistet haben.

Format: Wie jede wissenschaftliche Arbeit dieser Größenordnung sollte das Exposé mit einem Deckblatt beginnen. Dort stehen Informationen zu Ihrer Person (Name, Geburtsdatum, Email-Adresse, Anschrift, Telefonnummer) sowie ein vorläufiger Titel des Dissertationsprojekts. Im Inhaltsverzeichnis auf der nächsten Seite folgt eine Übersicht über Ober- und Unterpunkte des folgenden Exposés. Achten Sie darüber hinaus auf ein einheitliches, seriöses Layout (Schriftart, Zeilenabstand), Seitenzahlen und einen flüssigen Schreibstil. Überprüfen Sie zum Schluss nochmals die Orthographie, denn Rechtschreibfehler sind Gift für die Bewertung des Exposés.

Bibliographie: Jedes Forschungsexposé endet natürlich mit einer Bibliographie aller im Text zitierten Quellen. Es bietet sich an, diese Liste durch wichtige Texte aus dem Forschungsbereich zu ergänzen. Im Idealfall haben Sie diese Bücher und Aufsätze nicht nur schon identifiziert sondern auch bereits gelesen. Denn es kann durchaus sein, dass im Vorstellungsgespräch Fragen zum Stand der Forschung kommen.

Bitte beachten Sie, dass es in den Fächern u.a. durch Wissenschaftstraditionen unterschiedliche Anforderungen an eine Promotion gibt. Die Anforderungen differieren ggf. von Universität zu Universität innerhalb der Fächer.

Das Schreiben einer Dissertation gehört in jedem Fall zur Promotion. Daneben werden ein Rigorosum, ein Kolloquium oder eine wissenschaftliche Disputation verlangt. Das Procedere ist in den jeweiligen Promotionsordnungen2 beschrieben.

Die Dissertation soll folgenden Anforderungen gerecht werden:

  • Sie muss in angemessener Weise eine theoretische Aufarbeitung der wissenschaftlichen Fragestellung enthalten. Dies wird in der Regel in Form einer Diskussion verschiedener Theorieansätze erfolgen.
  • Die Arbeit muss eine wissenschaftstheoretische Positionsbeschreibung aufweisen.
  • Die Anwendung einer adäquaten methodischen Vorgehensweise muss dargestellt sein.
  • Die Dissertation muss neue wissenschaftliche Aspekte enthalten. Diese Aspekte können empirischer, methodischer und/oder theoretischer Art sein.

Es ist beeindruckend, wenn schon eine Diplom- oder Masterarbeit mindestens 200 Seiten umfasst (ohne Anhänge, versteht sich). Viele folgern daraus, dass dann die Dissertation mindestens 500 Seiten lang sein muss. Das Problem ist nur, dass dicke Werke viel Zeit kosten. Dabei geht oft der Blick dafür verloren, dass es um eine Qualifikationsphase, und nicht um das Lebenswerk geht. Ironisch überspitzt ließe sich sagen: Erst kommt die Promotion, dann der Nobelpreis!

Von daher sollte ein vernünftiger Arbeits- und Zeitplan am Anfang einer Promotion (siehe: Exposé) nicht vergessen werden, sondern immer wieder zur Reflexion des geleisteten (und des noch zu leistenden) dienen. Es liegt also vor allem in Ihnen, ob eine Promotion nach drei Jahren mit guten Ergebnissen abgeschlossen werden darf und kann.


2 Die Promotionsordnungen der Humboldt-Universität finden Sie unter:
https://www.hu-berlin.de/promovierende/promotion/wn_proord_html


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